WAZ: Stadtschulpflegschaft Gelsenkirchen: Eltern wollen stärker gehört werden

Seit inzwischen zwölf Jahren setzt sich die Stadtschulpflegschaft Gelsenkirchen für die Interessen von Eltern ein, deren Kinder eine Schule in der Stadt besuchen. Als übergeordnete Elternvertretung bündelt sie Anliegen über einzelne Schulen hinaus, vermittelt zwischen Eltern, Schulen, Verwaltung und Politik – und bringt Themen auf den Tisch, die viele Familien betreffen. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung wurde nicht nur ein neuer Vorstand gewählt, sondern auch deutlich, vor welchen Herausforderungen die Elternarbeit aktuell steht.

Einmal im Jahr kommen die gewählten Elternvertreterinnen und -vertreter der Gelsenkirchener Schulen zusammen. Für das Jahr 2026 wurde Daniela Isopp erneut zur Vorsitzenden gewählt. Ihre Stellvertreter sind Daniel Nienhaus und Michelle Thiele, die neu in den Vorstand gerückt ist. Thiele beschreibt ihre Motivation klar: „Es ist wichtig, dass Eltern Gehör finden und ihre Sicht vertreten wird.“

Elternengagement an Schulen in Gelsenkirchen nimmt deutlich ab

Schon seit einiger Zeit beobachtet die Stadtschulpflegschaft, dass das Engagement vieler Eltern abnimmt. „Viele verlassen sich auf Einzelpersonen“, sagt Daniela Isopp. Auch Michelle Thiele, selbst Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern, kennt diese Entwicklung aus eigener Erfahrung. Oft sei es ein kleiner, harter Kern, der sich einbringe – selbst bei Veranstaltungen wie Schulfesten oder Sankt-Martins-Zügen. „Wenn das alle so machen würden, gäbe es solche Angebote bald nicht mehr“, warnt sie. Dabei betonen Isopp und Thiele, dass sich ihr Engagement nicht nur auf Elterninteressen beschränkt: „Wir kämpfen vor allem für die Kinder.“ Ziel sei es, gute Bildungsbedingungen zu schaffen und Kindern einen gelungenen Start ins Leben zu ermöglichen.

Ein wichtiger Programmpunkt der Versammlung war der Besuch von Anne Heselhaus, Stadträtin für Kultur, Bildung, Jugend, Sport und Integration. Sie dankte den Eltern ausdrücklich für ihr ehrenamtliches Engagement und stellte unter anderem das bundesweite Startchancen-Programm vor, von dem in Gelsenkirchen 40 Schulen profitieren. Ziel ist es, Kinder gezielt in Deutsch und Mathematik zu fördern und zugleich ihre soziale und emotionale Entwicklung zu stärken.

Auch praktische Themen kamen zur Sprache: etwa der Zustand von Schulgebäuden, laufende Sanierungen und der geplante Bildungs- und Innovationscampus. Ergänzend stellte sich die Regionale Schulberatungsstelle vor, die Eltern und Schulen bei schulischen und sozialen Herausforderungen unterstützt.

Ein zentrales Zukunftsthema bleibt der Rechtsanspruch auf einen Platz im Offenen Ganztag, der schrittweise ab dem kommenden Schuljahr greift. Vor allem die landesweit festgelegten Abholzeiten stoßen bei der Stadtschulpflegschaft auf Kritik. Eine frühere Abholmöglichkeit könne Eltern und Personal spürbar entlasten. „Da muss unbedingt etwas passieren“, macht Daniela Isopp deutlich.

Zum Abschluss zog die Stadtschulpflegschaft dennoch eine positive Bilanz: Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung sei konstruktiv, der Austausch wichtig – und Elternstimmen wirkten. „Sie bewirken etwas“, sagt Isopp.

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